Tiere im Zoo
Ein wahrlich schwieriges Thema. Auf der einen Seite ist es natürlich schöner, wenn Tiere in Freiheit leben. Ohne Frage. Auf der anderen Seite steht der neugierige Mensch, der ohne den Zoo so manche Tiere niemals im Leben zu Gesicht bekommen würde, oder gar könnte. Beide Positionen unterschreibe ich. Und das obwohl sie widersprüchlich sind.
Tja, wat nu? Warum soll ich dann noch in den Zoo gehen?
Rein praktisch gesehen: Ich habe neue Einstellungen an meiner Kamera vorgenommen. Neue Funktionen auf diversen Hot-Buttons, neue Fokuseinstellungen, neues Equipment. Um das Zusammenspiel und die Funktionen, die Bedienung und das Handling zu testen würde ich Tage brauchen… Oder ich gehe einfach einen Tag in den Zoo und habe extrem viele und unterschiedliche Motive. Schnelle und Langsame, Große und Kleine, Helle und Dunkle, unterschiedliche Farben in allen möglichen Lichtsituationen… die Liste geht unendlich weiter. Zwischendurch die Kamera bei Seite legen und einfach nur die Tiere beobachten, wie sie uns selbst beobachten…
Ich bin zu fast jeder Zeit gefordert, mich und die Kamera anzupassen. Auf diese Art ist der Lerneffekt schon hoch. „Beherrschen“ der Technik, um dann im entscheidenden Moment das Foto zu machen? Das ist ein Ziel. Wobei, gibt es dieses Ziel überhaupt: Auslernen und dabei aufhören, neues zu erlernen?!? Sach ma‘, geht’s noch?
Und da ist es wieder… das „Auge des Betrachters“
Ich sehe eines meiner Fotos und weiß, wo und wann ich es geschossen habe. Tja, und es war ein Tier im Zoo, in Gefangenschaft. Ein Betrachter sieht das Bild. Er spürt die Stimmung und kann meist nur mutmaßen, wo dieses Bild entstanden sein könnte. Er ist unvoreingenommen und frei von Vorurteilen und macht sich selbst „ein Bild“.
Für mich persönlich liegt der Unterschied in dem „Drumherum“, also während ich durch die Kamera schaue. Im Zoo fehlt einfach dieses Adrenalin, dieser „Tunnel“, dieses Herzklopfen, wenn ich ein Tier aus unmittelbar nächster Nähe in freier Wildbahn fotografieren kann. Und der lange Weg bis dahin. Ruhig sein, beobachten, anschleichen... das fehlt im Zoo.
Und wieder: Tja, wat nu? Warum soll ich in den Zoo gehen?
Ich erinnere mich daran, was es für ein riesiges Ereignis es war, mit sieben oder acht Jahren einen lebenden Gorilla zu sehen. Ein echtes Highlight. Nächsten Montag in der Schule habe ich dann meinen Freunden davon erzählt. Die Faszination war damit entfacht. Wie geht es jetzt für mich weiter? Die erste Adresse: Die Bücherei am Buchholzmarkt in Bockenem. Die „Was ist was“-Sachbücher waren die Wahl. Thema „Affen“, mit meist gezeichneten Bildern und beschreibenden Texten. Nach einer Woche musste ich die Bücher zurückbringen. Oder ich habe mit dem Büchereiausweis in der Tasche und dem geliehenen Buch in der Hand die Leihdauer um eine Woche verlängert. Karteikarten wurden ausgefüllt und es wurde abgestempelt, neues Rückgabedatum. Meine Büchereiausweisnummer war die 323...
Warum schreibe ich das?!?
Warum Tiere im Zoo? Um ihre Art bekannt zu machen? Um Interesse zu wecken? Um Menschen zu begeistern und vielleicht auch zu faszinieren? Vielleicht entsteht auch ein Eindruck, der den Menschen dann später im Leben dazu bewegt, sich für diese Tierwelt einzusetzen? Diese Tiere vor dem Menschen zu schützen? Vielleicht entsteht eine Lebensaufgabe?
Ich könnte über diesen Wolf im Zoo Tapeten schreiben. Das aber nur, weil ich ihn mit meinen eigenen Augen gesehen habe. Nur über diesen Wolf zu lesen reicht mir nicht. Ich will nicht noch einmal schreiben, was ich selbst irgendwo gelesen habe. Das würde keinen Sinn ergeben.
Fotografieren im Zoo ist eine sehr bequeme, schnelle und eindrucksvolle Art, sich wortwörtlich ein eigenes Bild von den unterschiedlichen Tieren zu machen. Und eine sehr gute Art, mit der Familie Zeit zu verbringen:-)