Equipment – Weniger ist mehr?

Meine Fotos entstehen fast ausschließlich auf ausgedehnten Wandertouren. „Leicht und beweglich“ ist meine Devise, ohne mich mit unnötiger Ausrüstung zu belasten. Wenn ich so durch die Gegend streife, und z.B. plötzlich ein Fuchs oder Reh meinen Weg kreuzt, dann bleiben mir meist nur zwei oder drei Sekunden, um das Foto zu schießen. Es ist keine Zeit, erst den Rucksack abzulegen um mir die notwendige Beweglichkeit zu verschaffen.

 Ohne Frage ist es ein beruhigendes Gefühl, auf alle möglichen Situationen vorbereitet zu sein und immer das richtige „Werkzeug“ an der Hand oder zumindest dabei zu haben. Und nicht zu vergessen ist der „Trainingseffekt“: Gewöhne dich an Gewicht, stärke deine Bein- und Rückenmuskulatur und sei vorbereitet für die 50km-2000 Höhenmeter-Fototour!

Tja, was kann wohl alles so passieren auf einer Tour? Was nehme ich mit?
Tele-, Weitwinkel- und Standardobjektive, Verlaufs-, UV- und ND-Filter, diverse Stative, Wechselakkus und Powerbank, Isomatte, Tarnmaterial, Handschuhe, Regenkleidung, Erdnägel und Seile, Verpflegung und so weiter und so weiter. Ach ja, die Dose Ravioli und der Gaskocher dürfen auch nicht fehlen! Oder nehme ich vorsichtshalber noch Esbit mit? Und wenn ich schon unterwegs bin, dann sollte ich wenigstens den Schlafsack dabei haben. Und das Zelt wäre auch nicht schlecht. Ehe ich mich versehe, ist der Rucksack prall gepackt und hat sich zu einer ungewünschten Belastung entwickelt. Unterwegs finde ich in den unendlichen Tiefen des Rucksacks dann nicht mehr, was ich gerade suche. Das habe ich oft erlebt. Im „Pack-Wahn“ vergesse ich gerne, was ich eigentlich vorhatte. Spätestens jetzt sollte ich mich hinterfragen:
Brauche ich unbedingt ein Weitwinkelobjektiv, wenn ich Tiere fotografieren möchte? Brauche ich eine Powerbank, wenn ich nur einen Tag unterwegs bin? Brauche ich Regenkleidung, wenn es trocken bleiben soll? Brauche ich ein Stativ, wenn ich nur in Bewegung bleibe? Müssen es Ravioli sein? Reicht eventuell eine Batterie BiFi-Roll? Oder zwei? Besser wären drei…

Ich habe mir angewöhnt, meinen Rucksack zweckmäßig zu packen. Also halbwegs zielgerichtet mit einer gewissen Grundstruktur, zum Beispiel:
-Deckelfach für Schnellzugriff (Werkzeuge): Speicherkarten, Reinigungskram, Multitool, Taschenlampe usw.
-Frontfach für Kleidungskram: Regenzeug, Handschuhe usw.
-Seitenfach rechts: Wasser und Mampf
-Seitenfach links: Campingkram wie Erdnägel, Hocker usw.
-Hauptfach: Tarnzeug, Objektive usw.

Das macht es mir einfach. Im Dunkeln wie im Hellen. Schnell oder langsam. Es gibt mir Sicherheit und macht sogar auf den mich beobachtenden Luchs einen nahezu „professionellen“ Eindruck, wenn ich zielgerichtet in meinem Rucksack herumwühle.

Vor jeder Tour wird der Rucksack komplett geleert und neu gepackt. So weiß ich immer, was ich dabeihabe und wo im Rucksack, bzw. in welcher Tasche, sich das Gesuchte befindet. Und mit dieser „Grundstruktur“ ist das Suchen hinfällig. ABER: Auf diese Weise gilt immer „Murphy’s Gesetz“ – Man hat nie dabei, was man eigentlich gerade benötigt. Im Fall der Fälle ist hier dann unter Umständen Improvisieren angesagt, insofern dieses möglich ist.

Gibt es einen „universell-perfekt-gepackten“ Fotorucksack, der für alle möglichen Situationen gewappnet ist? Ich denke, jeder Fotograf packt seinen Rucksack ständig neu, um dieser Perfektion nahezukommen. Es ist eine Lebensaufgabe, die nie gelöst werden kann. Es gehört dazu, sich ständig zu hinterfragen und neues auszuprobieren. Und letzten Endes entscheidet das Motiv, was man dabei gehabt haben sollte.

Für mich ist es immer ein Kompromiss zwischen Beweglichkeit und Gewicht. Auf jeder Tour mache ich unterschiedliche Erfahrungen. Irgendwann summieren sich diese Erfahrungen und ich komme zu dem Schluß: OK, es ergibt für mich Sinn oder es bringt mich weiter, dieses und jenes einzupacken oder wegzulassen. Hin und wieder wird natürlich auch neue Ausrüstung beschafft –Zwinkersmiley-…

Oh ja, Ausrüstung… welch ein Thema! Es gibt sooo viel geiles Zeug, viel zu viel. Und jeder Geldbeutel hat Grenzen. „Gesehen – Gekauft“ ist kein guter Ansatz. Ich müll‘ mich mit Kram zu, den ich nie, wirklich nie gebrauchen kann. Es ist zwar beruhigend zu wissen, dass ich es habe, aber mehr auch nicht. Wie eine Versicherung für eine Zombie-Apokalypse. Kennt Ihr das? Das hat sich bei mir in den letzten Jahren deutlich geändert. Lieber drei-, vier-, fünfmal drüber nachdenken. Und im Zweifelsfall die Finger davonlassen.

Unterm Strich bleiben drei Dinge, die bei mir immer dabei sind:
-Kamera (mit Objektiv x und y)
-Multitool
-Verpflegung
Alles weitere kommt optional zweckmäßig hinzu.

Es gibt wohl keine Paradelösung. Entweder alles einpacken, so viel wie geht, oder etwas reduzierter mit einem kleinen Restrisiko. Oder nur der Fotoapparat. Oder nur die BiFi. Egal was, es lohnt sich immer, den Fuß vor die Tür zu setzen und unterwegs zu sein. Jedem das seine. Alles hat seine Berechtigung und seinen Sinn. Individueller Stil und individuelle Vorgehensweisen. Unterschiedliche Ergebnisse. Das macht es doch aus, oder? 

Danke für Packlisten und Tutorials. Sie sind pure Inspiration.

Finde dich selbst.